Sonderkündigungsrecht für Versicherungsnehmer

Sonderkündigungsrecht

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Neben den seit längerem gängigen Sonderkündigungsrechten für Kunden von Versicherungsnehmern sind mit dem 01. Januar 2007 weitere Sonderkündigungsrechte hinzugekommen, die den Versicherungsmarkt fairer und offener werden lassen sollen.
Nach wie vor besteht für Käufer eines Gebäudes (gleich, ob privat oder gewerblich), die Möglichkeit, die auf das betreffende Objekt laufende Gebäudeversicherung zu übernehmen, also weiter zu führen oder mit einer Frist von vier Wochen zu aufgrund Sonderkündigungsrechts zu kündigen - nach Zugang der Mitteilung über eine bestehende Gebäudeversicherung gegenüber dem Neuerwerber durch den Versicherer (VR) selbst.
Auch besteht immer dann ein Sonderkündigungsrecht (auch außerordentliches Kündigungsrecht), wenn sich bei einer gleich bleibenden Versicherungsleistung die Prämie erhöht. Hier besteht eine Frist von 14 Tagen, ab Beitragserhöhung. Ebenfalls 14 Tage, beträgt die Frist des Versicherungsnehmers, um aufgrund eines regulierten Schadens zu kündigen. Nicht nur der Versicherer hat also das Recht hierzu. Damit auch bei Nichtregulierung durch den VR ein Sonderkündigungsrecht besteht, muss es sich um einen ersatzpflichtigen Schaden gehandelt haben.
Im Bereich der Kfz-Versicherung wird das zugrunde liegende Sonderkündigungsrecht beim Fahrzeugwechsel bereits mit der Abgabe der Zulassungsbestätigung eVB (ehem. Doppelkarte) bei der Zulassungsstelle ausgeschöpft. Die vorherige Versicherung gilt in diesem Fall ab Zulassung als sofort und fristlos gekündigt, wobei die SF-Rabatte natürlich bestehen bleiben.
Mit der seit 2007 in Kraft getretenen Reform des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG), stehen einem Versicherungsnehmer überdies noch weitere Sonderkündigungsoptionen offen. So darf aktuell kein Versicherungsvertrag zustande kommen, ohne eine fundierte und kundenorientierte Beratung. Der Nachweis hierüber hat der Versicherer zu erbringen, indem er sog. Beratungsprotokolle im Einvernehmen mit dem Kunden anfertigt. Der Kunde, sowie der Versicherungsvermittler müssen dieses Dokument unterzeichnen. Liegt es nicht vor, so hat man jederzeit die Möglichkeit, den Vertrag aufgrund fehlenden Protokolls zu kündigen.
Gleiches gilt auch für die neu formulierte Ausweisungspflicht von Versicherungsvermittlern. Diese müssen sich (vor allem bei Neukunden) vor dem Beratungsgespräch durch Aushändigung von Erstkontaktinformationen identifizieren. Übergibt er keine Visitenkarte, keine Zertifizierungs- und Registernummern, so kann auch aufgrund dieser Tatsache der Vertrag jederzeit gekündigt werden.
Mit in dieses Sonderkündigungsrecht fließt außerdem ein, dass VOR Antragsaufnahme die betreffenden, aktuellen Versicherungsbedingungen ausgehändigt werden müssen. Falls dies nicht geschehen ist, kann der Vertrag sogar als schwebend unwirksam angesehen und rückwirkend gekündigt werden.

Ein Versicherungsnehmer hat also viele Möglichkeiten, vorfristig aus einem Versicherungsvertrag loszukommen. Allerdings sind außerordentliche Kündigungen nicht immer empfehlenswert, da bereits bezahlte Prämien - im Gegensatz zur fristgerechten Kündigung - oftmals verloren gehen. Somit gilt es, solche Schritte abzuwägen