Das Versicherungsvertragsrecht 2008 - mehr Schutz für Kunden 




Das Versicherungsvertragsrecht 2008, das zum 01.01.2008 in Kraft trat, beinhaltet insbesondere viele Neuerungen, die den Interessen der Versicherungsnehmer entgegenkommen.

Bereits bei der Beratung greifen die ersten Änderungen:
Die Informationspflicht wurde eingeführt. Dies bedeutet, dass der Versicherer oder sein Vermittler den Kunden umfassend und ausführlich beraten muss. Die Beratung muss schriftlich dokumentiert und vom Kunden gegengezeichnet werden. Dies soll es dem Kunden erleichtern, eventuelle Beratungsfehler besser nachweisen zu können.
Die Offenlegungspflicht führt dazu, dass alle Vertragsbestimmungen und Kosten wie z.B. Abschlusskosten, Vertriebskosten, Stornierungskosten jetzt vor dem Abschluss bekanntgegeben werden müssen. Früher erfuhr der Kunde dies erst nach Erhalt der Police nebst Anlagen.
Lebensversicherungsunternehmen müssen ihren Kunden in realistischen Modellrechnungen die zu erwartenden Ablaufleistungen bekanntgeben. Die Abschlusskosten sind anders wie früher jetzt auf 5 Jahre zu verteilen. Dies führt bei einer Vertragskündigung in den ersten Jahren zu einer spürbaren Verbesserung (Rückkaufswerte) für die Kunden.

Bei konkretem Vertragsabschluss bzw. Antragsaufnahme ist seit 01.01.2008 zu beachten:
Die Anzeigepflicht.
Hier geht es um die Einschätzung von Risiken. Der Kunde braucht nur noch Fragen zum Risiko beantworten, die das Versicherungsunternehmen ihm schriftlich gestellt hat. Damit wird der Kunde von der Beweislast befreit, ob weitere ihm bekannte, aber nicht hinterfragte Umstände für die Versicherungsgesellschaft von Bedeutung sein könnten. Dies ist insbesondere bei Lebensversicherungen und Berufsunfähigkeitsversicherung von großer Wichtigkeit.

Die ersten Wochen nach Vertragsabschluss:
Lebensversicherungsverträge kann der Kunde jetzt innerhalb von 30 Tagen, andere Versicherungen mit Frist von 14 Tagen ab Abschlussdatum ohne Angabe von Gründen widerrufen.

Rückstände in der Beitragszahlung:
Dies betrifft die private Krankenversicherung. Diese muss ihrem Kunden ab Zahlungsverzug eine Mindestfrist von zwei Monaten gewähren und in dieser Zeit den Versicherungsschutz in vollem Umfang aufrecht erhalten.

Schadensregulierung bei Fahrlässigkeit:
Wurde nach altem Gesetz bei grober Fahrlässigkeit des Versicherungskunden jede Regulierung verweigert, muss jetzt der Grad der Eigenverschuldung berücksichtigt werden. Der Kunde erhält dadurch zumindest eine anteilige Versicherungsleistung. Eine vollständige Regulierungsverweigerung greift nur noch bei vorsätzlichem Handeln des Kunden. In der Kfz-Haftpflichtversicherung sind Besonderheiten wie volle Fahruntüchtigkeit durch Alkohol oder Unfallfluchten besonders zu behandeln.

Vertragskündigung durch den Kunden:
Bei Vertragskündigung durch den Kunden während des Jahres ist die Prämie nur noch bis zum Kündigungszeitpunkt zu zahlen.

Streitigkeiten und Klage:
Die Verjährungsfrist für Ansprüche des Versicherungskunden hat sich auf drei Jahre verlängert. Die bisherige Ausschlussfrist von 6 Monaten ist entfallen.